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Kambodscha (Svenja)

Kambodscha war das letzte Land, das ich besucht habe bevor Corona mich wieder nach Deutschland zurück geführt hat. Meine Zeit dort war jedoch sehr durch Corona geprägt. Die Einheimischen, Touris und ich waren schon im Ausnahme-Zustand. Ich kann also ehrlicherweise nicht viel zu Kambodscha sagen. Doch ein Highlight gab es trotz der sonst nicht so guten Stimmung: Ankor Wat!
Das Ganze ist ein bisschen verwirrend. Ankor Wat bezeichnet den aus über 1000 Tempeln bestehenden Tempelkomplex in der Nähe von Siem Reap, aber auch den Haupttempel der alleine schon eine Fläche vom 1.63 km2 umfasst. Der Angkor Wat Tempel gilt als das größte sakrale Bauwerk der Welt und die gesamte Anlage ist der Tourist_innenmagnet in Kambodscha. Dementsprechend voll sind die Tempelanlagen normalerweise, nicht jedoch in Zeiten von Corona! Die meisten Tempel waren menschenleer. Ein unfassbarer Luxus, der so wohl nicht wieder kommen wird. Ein einmaliges Erlebnis also, über das ich mich sehr freue (mit dem 3 Tages Ticket gabs auch 5 Tage Eintritt).

Das Möhrchen habe ich in Kambodscha übrigens verkauft. War gar nicht so einfach. Durch Corona kamen keine neuen Tourist_innen mehr ins Land und die im Land mit Motorrad wollten ihres schnell loswerden, um heim fliegen zu können. Nachdem mir ein anderer Reisender vorm Hostel ein unverschämtes Angebot gemacht hatte, ging es am folgenden Tag merkwürdigerweise nicht mehr an… Letzendlich hab ich es an einen Einheimischen verkauft, der das Motorad erstmal so richtig gründlich geputzt hat 😀 Nach 2000 gemeinsamen Kilometern fiel mir die Trennung schon schwer.
Reisebekanntschaft Güney aus Laos war zu diesem Zeitpunkt übrigens schon in Australien, in Quarantäne.

Auch in Kambodscha gibt es tolles Obst! Hier auf einem Markt irgendwo auf einem Dorf

Eiswagen

Ankor Wat

Die Restaurierungsarbeiten laufen

Überall auf dem Gelände finden sich auch kleinere Tempel

Hier wurde Tomb Raider gedreht

Die Abbildung eines Dinos wirft viele Fragen auf. Wussten die Leute vor 700-800Jahren schon mehr als wir denken? Oder ist das ein hässliches Nashorn?

Faszination Bäume

Mein perfektes Frühstück für insgesamt 4$

Mal eine etwas andere Nudelsuppe. Sieht nicht vegetarisch aus, ist sie aber!

Coronastimmung: Das Hostel wird zusammengepackt und geschlossen.

Keine Coronapartys

Schutzanzüge am Flughafen

Laos (Svenja)

Eigentlich wollte ich nach meiner Zeit in Thailand nach Myanmar und hatte sogar schon das ausgedruckte Visum dabei. Doch in Thailand hab ich eine nette Reisebekanntschaft gemacht, die auf jeden Fall nach Laos wollte und habe darum meine Pläne geändert. Seit Wochen spukte mir die Idee im Kopf herum, mit dem Motorrad weiter zu reisen. Da vietnamesische Motorräder zwischen Vietnam, Kambodscha und Laos relativ unkompliziert hin und her reisen können bot sich Laos als nächstes Ziel an. Außerdem hatte ich in Thailand ja eher meine Schwierigkeiten mit den anderen Reisenden, was die schöne Begegnung noch wertvoller gemacht hat. Von Thailand aus ging es für mich also nach Laos und ich habe es keine Sekunde bereut! Über Land reiste ich im Norden nach Laos ein. Reisebekanntschaft Güney wartete zu diesem Zeitpunkt bereits drei Tage in einer total langweiligen Grenzstadt auf mich. Vor Ort war er schon bekannt und niemand hatte ihm geglaubt, dass ich wirklich noch komme 😀 Trotz seiner Langeweile verbrachten wir eine weitere Nacht im unspektakulären Ban Houayxay. Da ich in den letzten 36 Stunden über 1000km in Bussen zurückgelegt hatte brauchte eine kurze Pause. Doch dann begann unsere Reise durch Laos!

Die erste Hürde unserer Motorradreise war das Fehlen eines Motorrads! Einige Reisende kaufen in Vietnam ein billiges Motorrad und fahren durch Kambodscha nach Laos oder eben andersrum. Der Markt ist also voll von billigen Motorrädern, theoretisch… In Luang Prabang, einer vom Kolonialismus stark geprägten Stadt und dem ersten Ziel unserer Reise, spazierten wir von Hostel zu Restaurant, von Restaurant zu Kneipe,… und fragten nach Motorrädern. In Deutschland würde mir schon die Suche über Zeitungsanzeigen altmodisch vorkommen, doch hier gibt es außer ein paar facebook Gruppen von Backpacker_innen keinen Online-Markt wie ich ihn kenne. Also einfach voller Optimismus rumfragen und gucken, was kommt. Mal wurden wir direkt mit dem Roller zur Besichtigung gefahren (zu 3. auf einem). Doch meistens schüttelten die Leute nur den Kopf – kein Markt für Motorräder in der Stadt. In der Hauptstadt wurde uns größerer Erfolg vorhergesagt, da wollten wir aber nicht hin! Nach einigen Tagen suchen, schon etwas verzweifelt, fanden wir endlich eine günstige chinesische Honda Win mit vietnamesischen Papieren! Und so kam ich zu meinem neuen Motorrad, liebevoll Möhrchen genannt. Das Möhrchen war jedoch nicht in bestem Zustand und die erste Tour führte uns mit lautem Knattern zur Werkstatt  (Spoiler: Dies sollte nicht der einzige Werkstattbesuch bleiben).

Als wir das Motorrad zum Mechaniker brachten wartete die nächste Herausforderung auf uns. Mit Google-Übersetzer, Zeichnungen, Händen und Füßen verständigten wir uns über die nötigen Reparaturen und Preise – ohne selbst zu wissen was eigentlich alles kaputt ist. Mein nagelneues Motorrad war eine Ansammlung von Problemen. Lenkrad nicht gerade, Schaltung funktioniert nicht, Auspuff muss neu, Ölwechsel war wahrscheinlich schon vor 1000km dringend notwendig, Nummernschild nicht angebaut (und auch nur ein laminiertes, selbst bedrucktes Blatt Papier), Kupplung ging nicht,… Neben den ganzen Problemchen wollten wir auch noch ein Gestell für unsere Rucksäcke. Insgesamt also einige Baustellen. Alles jedoch kein Problem: Morgen um 17 Uhr sollen wir das Motorrad abholen. Kosten unter 90€. Klang gut für uns.

Am nächsten Tag waren wir also pünktlich um Punkt 17 Uhr beim Mechaniker. Einige Veränderungen waren direkt sichtbar, das Gestell fehlte aber noch. Um 19:30Uhr sollen wir wieder kommen.
Als wir um 19:30 Uhr ankamen wurden wir auf zwei Stühle gesetzt und er ist mit dem Motorrad davon gefahren. Für uns gabs Kekse und Wasser. Zwar nett, spricht aber auch für eine längere Wartezeit. Irgendwann gingen wir in der nächsten Straßenküche Abendbrot essen, anschließend wurden wir mit noch mehr Keksen in einen leeren Frisörsalon gesetzt…
Nach 4 Stunden Warten konnten wir um 23:30 Uhr das sehnsüchtig erwartete Motorrad in Empfang nehmen! Die Freude war groß und die Müdigkeit wie weggeblasen. Mit dem Motorrad bekamen wir auch eine ganz neue Reisefreiheit! Jetzt ging es so richtig los! Die folgenden drei Wochen reisten wir 1500km durch Laos und durchquerten das Land von Norden nach Süden, auf unserem Möhrchen mit einer Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h (bergab, mit Rückenwind und viel Optimismus…).

Und Laos hat mich begeistert! Die Reise führte nicht nur durch ein fremdes Land mit anderer Landschaft, neuem Essen und gewöhnungsbedürftigen Straßen, sondern gefühlt auch in eine andere Zeit! Kolonialismus, Besatzung durch Japan, nochmal Kolonialismus, Vietnamkrieg und Kommunismus haben das Land in den letzten 130 Jahren geprägt. Gefühlt steht im Großteil des Landes die Zeit seit Jahrzehnten still. Laos ist ein Land im Dornröschenschlaf!
Passend dazu sahen wir jeden Tag Menschen am Wegesrand in für uns möglichen und unmöglichen Positionen schlafen. Mal in einer Hängematte vorm Haus (möglich), mal beim kurzen Stopp unterm Baum auf dem Motorroller (vorstellbar) und auch im Stehen an eine Mauer gelehnt mit Kind auf dem Rücken (unmöglich). Neben schlafenden Menschen in diesem verschlafenen Land gab es unzählige andere Besonderheiten im Vorbeifahren zu sehen: Webstühle vor den Häusern, Kinder mit Bisamratten an der Leine, Menschen die ihre Kühe spazieren führten, Familien die uns im Vorbeifahren zuwinkten,… Jeden Tag schätzen wir uns glücklich so viel Außergewöhnliches im unscheinbaren Alltag entdecken zu können! An zwei Tage hat es heftig geregnet und wir konnten nicht weiterfahren, dafür sind wir durch die „Stadt“ spaziert. Doch abends waren wir voller Begeisterung über die Schönheit des Landes und schwärmen vom besten Tag unserer Reise! Laos ist kein Land der Tempel, Küsten, Museen oder anderer Highlights und doch hat es mich völlig in seinen Bann gezogen mit seiner alltäglichen Besonderheit!

Für die Menschen selbst ist der Stillstand im eigenen Land natürlich nicht so romantisch und spannend wie für mich, sondern erschwert das Leben ungemein. Da Laos kaum Industrie hat und der Versuch das Land mittels Wasserenergie zur „Batterie Asiens“ zu machen, nach einem Dammbruch aufgegeben wurde, gibt es wenig Arbeit im Land. Die meisten Menschen arbeiten in der Landwirtschaft und hinter fast jedem Haus haben wir einen kleinen Gemüsegarten zur Selbstversorgung entdeckt. Da die Landwirtschaft Lebensgrundlage ist, arbeiten auch Kinder und Jugendliche mit, was den Schulbesuch unmöglich macht. Doch die Landwirtschaft ist kein einfaches Geschäft. Laos ist das am schwersten bombardierte Land der Welt. Neun Jahre lang warfen die USA alle acht Minuten eine Flugzeugladung Bomben über Laos ab. Insgesamt zwei Millionen Tonnen Bomben. Jede dritte Bombe explodierte nicht und so ist der Boden heute noch voller Blindgänger. Der Krieg ist zwar vorbei, doch noch immer sterben Menschen daran. Wie soll sich das Land jemals erholen? Die Laot_innen sind auf jeden Fall erfinderisch. Neben den Bildern auf Warnschildern und Steinen im Boden, um die sicheren Gebiete zu markieren, ist der Krieg auch durch Bombenreste überall präsent: als Gartenzaun, als Pfeiler fürs Haus, als Boot, eingeschmolzen als Schmuck, Besteck,… So begleitete uns ein längst vergangener Krieg auf unserer Reise durch Laos, ein weiterer Aspekt der Zeitreise.

In Laos konzentriert sich der Tourismus auf wenige Orte und da wir zwei davon (Hauptstadt Vientiane und Backpacker Hotspot Vang Vieng) weg gelassen haben, waren wir öfters die einzigen Touris im Ort. Das führte zu spannenden Begegnungen und Herausforderungen! Ein Beispiel: Im Restaurant wurde uns sehr freundlich die laotische Karte gereicht. Leider verstanden wir kein Wort und versuchten auf Englisch+ein paar Wörter Lao zu bestellen. Eine sehr freundliche, aber für uns unverständliche Antwort kam zurück. Wir versuchten es also nochmal mit unserem Kauderwelsch. Der Mensch im Restaurant verstand dann, dass wir nix verstehen und kein Wort Lao können. Das war dann alles zu anstrengend und wir wurden komplett ignoriert. Das ist so oder so ähnlich mehrfach passiert und war eigentlich ganz lustig, allerdings führte es auch zu unzähligen Nudelsuppen (das konnten wir auf Lao sagen). Erlebnisse dieser Art machen auch deutlich, dass die Menschen nicht so auf Tourismus und größtmöglichen Gewinn aus sind. In Nordindien würde wahrscheinlich der Cousin einer Bekannten davon der Schwager oder sonst jemand zum Übersetzen organisiert werden um das Geschäft zu Stande zu bringen. In Laos lässt man es dann halt bleiben. Nach dem doch sehr „service-orientierten“ Thailand, in dem für Geld alles möglich ist und die Freundlichkeit eher unecht wirkt, fand ich die ruppige Ehrlichkeit richtig angenehm. Manchmal wurden aber doch alle Hebel für uns in Bewegung gesetzt. Wir wollten beim Marktbesuch gerne gekochte Eier für unser Mittagessen kaufen. Gabs natürlich nicht, wer kauft schon gekochte Eier?! Ein Restaurantbesitzer, der eigentlich gar nichts mit Ei im Angebot hat, präsentierte uns 10 Minuten nach unserer Anfrage frisch gekochte Eier 😀

Ein Fazit zu Laos: Auch wenn Laos nicht die Strände Thailands, die Tempelanlagen Kambodschas oder das Essen Vietnams hat, hat es doch etwas zu bieten: Seinen ganz eigenen Charme! Hektik scheint in dem Land ein Fremdwort zu sein und die Ruhe wirkt ansteckend auf Besucher_innen. Wo in andern Ländern einem Highlight nach dem anderen hinterher gejagt wird, kann man sich in Laos einfach treiben lassen und so ganz andere Reiseerlebnisse haben. Für alle die auf Komfort verzichten können und die gerne abseits der großen Touriströme unterwegs sind lohnt sich Laos auf jeden Fall! Da nach Thailand nun auch die anderen Länder der Region immer mehr von klassischen Pauschalreisenden entdeckt werden, sollte man die Reise nach Laos aber nicht unbedingt erst in 10 Jahren machen.

Zu meiner Begeisterung von Laos trägt vermutlich auch bei, dass ich endlich wieder Motorrad fahren konnte (auch wenn meine Maschine in Deutschland deutlich sportlicher ist) und wir einfach stoppen konnten, wo es uns gefiel. Auch Güney hat meine Reise durch Laos noch besser gemacht. Ist er gefahren (ohne Führerschein…) konnte ich entspannt die Umgebung genießen und obwohl wir an sehr einsamen Orten waren, waren wir nie alleine. Ich merke auch immer wieder, wie mir das Reisen hilft Vorurteile zu überwinden. In Deutschland hätte ich mich wohl nie mit Güney angefreundet. Zu Studienzeiten war er Verbindungsmitglied, redet er von seinem alten 3er BMW bekommt er leuchtende Augen und er steht auf Deutschrap – alles eher abschreckend (sorry Güney :-* ). Auf unserer 21-stündigen gemeinsamen Busfahrt in Thailand hatten wir aber keine andere Wahl die Chance uns trotz der vielen Unterschiede besser kennenzulernen und haben festgestellt, wir können trotz seines schlechten Geschmacks befreundet sein 😀

Kolonialbauten in Luang Prabang

Jedes Jahr wird diese Bambusbrücke davon gespühlt wenn der Monsun den Fluss ansteigen lässt.

Große Freude beim Kauf und später beim Mechaniker!

Kühlsystem für den überhitzten Motor des Karussells

In Laos wird sehr guter Kaffee angebaut und die größeren Städte haben gemütliche Cafés, die mich magisch angezogen haben!

Meistens sah der morgendliche Kaffee aber so aus. Lecker war er trotzdem 🙂

Khao Kop. Reisreste werden in Form kleiner Küchlein getrocknet und später frittiert

Ein klassisches Haus außerhalb der Städte. Es ist aus Holz, steht auf Stelzen und hat keine Glasfenster, dafür aber Holzklappen.

Frisörsalon auf dem Dorf

Die Supermärkte sind mehr so kleine Kramläden, die teure, importierte Waren anbieten. Dinge die immer verfügbar sind: Chips, Sojakakao, Limonade und Oreokekse, das ist aber auch schon fast das gesamte Lebensmittelsortiment. Als wir mal einen Joghurt gefunden haben, haben wir uns richtig gefreut! Für viele Einheimische sind die Waren im Supermarkt  unerschwinglich, eine Packung Kekse kostet locker so viel wie ein Mittagessen.

Die wahren Highlights finden sich auf den Märkten!

Unser luxuriöses Hotelzimmer hatte kein Waschbecken, aber ein erhöhtes Hockklo und einen Eimer mit kaltem Wasser, fast dasselbe…

Mir wird ja immer gesagt, ich wäre auf Reisen zu geizig unterwegs. Manchmal gönn ich mir auch was, die Hütte unten hat pro Nacht z.B. ganze 8€ gekostet, zu zweit natürlich 😀

Buddha und Opfergaben am Wegesrand

Zauberhaftes Laos! Auch an der Natur konnte ich mich manchmal kaum satt sehen!

Wilde Orchideen!

Kleiner Tempel im Hotel

Manche Straßen waren herausfordernd, andere wunderschön und die Brücken etwas gewöhnungsbedürftig.

Besuche beim Mechaniker gehörten zum Reisealltag dazu. Möhrchen ist zwar erst zwei Jahre alt, hat aber schon viele schlechte Fahrer_innen und Straßen erlebt. Gelegentlich musste mein Vater eine Ferndiagnose mittels Videos und Fotos stellen, damit wir nicht völlig planlos in der Werkstatt aufkreuzen.

Tankstelle

Nudelsuppe, jeden Tag Nudelsuppe!

In keinem Land sind mir so viele süße Welpen begegnet und das Schöne ist, sie alle hatten ein Zuhause!

Corona und Reisen (Svenja)

In letzter Zeit erreichten mich einige Nachrichten, was ich gerade so mache. Hier ein kleiner Einblick zum Unterwegs sein in Zeiten von Corona:

25. Januar – Bangkok: Gemeinsam mit tausenden Menschen aus der ganzen Welt feiere ich sorglos das chinesische Neujahrsfest. Corona ist trotz der zahlreichen Chinesen die zum Neujahrsfest nach Thailand gekommen sind kein Thema.

27. Januar – Hua Hin: Eine Chinesin erzählt mir im Hostel sie kann nicht zurück nach Hause. Eigentlich wollte sie in den Urlaub für drei Wochen, jetzt muss sie wohl verlängern – sie kommt aus Wuhan. Den Namen dieser Stadt kennen mittlerweile die meisten. Die Maßnahmen wirken merkwürdig, die ganze Welt fragt sich, was da eigentlich bei den Chinesen los ist.

Die folgenden Wochen passiert eigentlich nicht so viel in Südostasien und Deutschland. Dann passiert plötzlich sehr viel…

Um den 05.März: Mich erreichen die ersten Witze über Klopapierkäufe. Gemeinsam mit Freund_innen aus Deutschland schüttel ich den Kopf. In Laos hört man nix von Corona. Die umliegenden Länder haben vereinzelt Fälle, Laos nicht. Alle wissen, dass die Zahlen nicht stimmen können. Trotzdem sind Politiker_innen und Reisende entspannt.

06. März: Eine Bekannte die in Thailand ist fragt mich nach der Stimmung in Laos. Das Projekt in dem sie gerade ist wird wohl schließen wegen Corona. In Laos kein Thema…

09. März: Vietnam ändert die Visabestimmungen. Für Deutsche ist es fast unmöglich einzureisen. Reisende ändern ihre Pläne und vermuten, dass in ein paar Wochen die Grenzen wieder offen sind, ein großer Teil des Landes lebt schließlich vom Tourismus.  In Laos ist nix von der Krise zu spüren. Weitere Länder schließen Grenzen.

10. März: Die Bekannte entscheidet sich nach Laos zu reisen. In Restaurants wurde sie nun schon mehrfach ignoriert.

12. März: Ein anderer Bekannter bereist den Norden Vietnams und wurde von zahllosen Hotels abgelehnt. Er berichtet, dass die Stimmung sich ändert. Ein ungutes Gefühl beschleicht mich.

13. März: Ich beantrage online ein Visum für Kambodscha um Laos bald zu verlassen. Es gibt zwar auch ein günstigeres Visum an der Grenze, aber darauf will ich mich gerade nicht mehr verlassen. Weltweit schließen weitere Länder ihre Grenzen, man kommt kaum noch hinterher.

14. März: Die Grenze von Kambodscha wird in 3 Tagen für Deutsche geschlossen. Mein Visum für Laos läuft in 5 Tagen aus. Die Länder drum herum riegeln sich ab. Ich will nix mehr über Klopapier hören, ich habe ganz andere Sorgen.

16. März: Ich reise nach Kambodscha ein. Ein neues Land bedeutet ein neues Visum, 30 Tage sicheren Aufenthaltsstatus und Zeit zum Nachdenken. Erstmal bin ich erleichtert nicht ohne Aufenthaltsstatus in Laos festzuhängen. In Kambodscha ist die Stimmung gut. Kinder winken mir vom Straßenrand zu, Einheimische sind freundlich, Corona ist kein Thema. Ich atme auf. Meine Bekannte aus Thailand ist in Laos angekommen und ebenfalls froh 30 Tage Aufenthaltsstatus zu haben.

17. März: Drei Hotels lehnen mich ab. Ich bin außerhalb der Touristädte und habe wenig Auswahl. Als mich das 4. aufnimmt bin ich erleichtert. Vor Benutzung des Geldautomaten wird mir Fensterreiniger auf die Hände gesprüht. Die lokale Bevölkerung darf den Geldautomaten einfach so benutzten. Mir wird klar, weiterreisen außerhalb der Touristädte geht nicht. Ich treffe die Entscheidung mein Motorrad möglichst schnell zu verkaufen um flexibler zu sein und evtl. schnell raus fliegen zu können. Indonesien und Laos sind die einzigen Länder in der Region, die noch keine Grenzschließungen angeordnet haben. Als ich bei Facebook andere Reisende nach ähnlichen Erfahrungen frage berichtet nur eine weitere Person ähnliches. Ich bekomme zusätzlich eine Nachricht, man will keine Deutschen im Land haben. Meine Laune sinkt, ein komisches Gefühl macht sich in meinen Bauch breit. 

Abends: Das Auswärtige Amt spricht eine weltweite Reisewarnung aus. Laut Versicherungsvertrag verfällt meine Krankenversicherung 14 Tage nach Aussprechen einer formellen Reisewarnung.

18. März: Indonesien gibt die Grenzschließung bekannt. Mittlerweile ist Panik unter Reisenden das vorherrschende Gefühl. Ich versuche mich nicht anstecken zu lassen. So will ich nicht weiterreisen. Alles was mir am Reisen Freude macht (Kontakt mit Locals und Reisenden, Entdecken können, Entscheidungsfreiheit,…) gibt es nicht mehr. Dafür ist dieses schlechte Gefühl mein neuer Reisebegleiter geworden. Ich checke Flüge und weis nicht mehr, welche Verbindungen für Deutsche überhaupt noch offen sind. Sorgen über geschlosse Fitnessstudios erscheinen mir erstrebenswert. Sicherer Aufenthaltsstatus, echte Supermärkte, medizinische Versorgung und das Wissen wo man nächste Woche schläft klingen gerade deutlich attraktiver als die große weite Welt, die es so momentan auch nicht mehr gibt. Weitere Reisende in Kambodscha erzählen von Ausweisungen in Hotels, meistens außerhalb der Touristenzentren. Gleichzeitig senken zahllose Unterkünfte ihre Preise, da die Buchungen zurückgehen. Die ersten Läden sind wohl schon geschlossen. Eine Stunde Massage für 3$. Die Massagesalons sind menschenleer,  angefasst werden ist gerade unbeliebt. Wer auf Touris angewiesen ist, ist weiterhin unfassbar nett. Ich entscheide bis zum Abflug in Siem Reap zu bleiben. Die Stadt besteht nur aus Angeboten für Tourist_innen und hier sehe ich die besten Chancen immer eine Unterkunft und Verpflegung zu finden.
Die Regierung macht Stimmung gegen Ausländer_innen und berichtet ausschließlich von erkrankten Ausländern. Die Schließung von Schulen in ganz Kambodscha wird auf einen kanadischen Lehrer mit Corona geschoben.

19.März: Laos gibt neue Visa-Bedingungen bekannt. Meine Bekannte ist zurück in Thailand. Die deutsche Botschaft in Kambodscha schickt eine Mail mit dem Rat auszureisen. Gleichzeitig wird darauf verwiesen, dass nur eingeschränkte konsularische Betreuung möglich ist und für Kambodscha keine Rückholflüge geplant sind.
Ich buche meinen Rückflug nach Deutschland für den nächstmöglichen Termin, den 26.03. Meine Bekannte in Thailand berichtet mir freudig, dass sie ebenfalls einen Flug für das Datum bekommen hat.
Einige Läden die gestern noch geöffnet waren sind heute schon zu. Ich verbringe schon lange viel zu viel Zeit am Handy. Der Kopf reist seit Tagen nicht mehr mit mir.

20. März: Mein Flug wird gecancelt. Ich buche schnell einen neuen für den 27. Die deutsche Botschaft in Kambodscha schickt eine zweite Mail explizit an Touris mit dringender Aufforderung schnellstmöglich auszureisen. Transit über Bangkok ist faktisch nicht mehr möglich (Gesundheitszertifikat vom staatlich Krankenhaus wird verlangt). Vorgestern war es schwierig Flüge aus Kambodscha zu finden, heute ist es fast unmöglich. Meine Bekannte in Thailand bucht ein Hotel in der Nähe es Emirates-Büros in Bangkok, nur für den Fall… Ich beneide alle, die es noch nach Thailand geschafft haben.

21. März: In Bangkok schließen bald alle Restaurants, außer für Take-Away. Ich habe Angst, dass Kambodscha nachzieht und ich Probleme habe Essen zu bekommen. Zum Glück bin ich nicht in Thailand.
Vietnam lässt keine Flüge mehr rein. Mein Flug hat nur eine technische Zwischenlandung, niemand würde das Flugzeug verlassen. Ich habe keine Ahnung ob mein Flug betroffen ist. Airlines sind nicht mehr erreichbar, Menschen sehen erst am Flughafen, dass ihr Flug gestrichen wurde.
Emirates verkündet den Passagierverkehr in wenigen Tagen auszusetzen. Die Panik wächst mit jeder Nachricht. Es gibt kaum noch Wege nach Europa. Der Flug meiner Bekannten in Thailand wird gecancelt.
Ich verkaufe endlich mein Motorrad, dass mittlerweile nicht mehr an geht. Außerhalb des Touristenzentrums wollen die Menschen nicht mit mir reden. Sie haben Angst. Vor mir! Das ungute Bauchgefühl wird stärker. Manchmal überwältigt es mich, meistens kann ich es in eine Ecke drängen. Die Meditation letzten Monat war wohl das beste, was mir vor dieser Krise passieren konnte.
Ich gehe ab jetzt jeden Tag 1-2 Mal ins gleiche Restaurant in der Hoffnung, dass es dann noch etwas offen bleibt. Viele Ecken der sonst belebten Stadt sind dunkel.

22. März: Etihad verkündet den Passagierverkehr in wenigen Tagen auszusetzen. Ich habe absolut keine Lust mehr auf Menschen. Sie stressen mich alle und ich versuche mich nicht von der Gruppenpanik anstecken zu lassen – fällt mir schwer, dann bin ich lieber allein. Gut gemeinte Ratschläge wie mir Vorräte zu kaufen sind angesichts der hiesigen „Supermärkte“ und fehlenden Küche nutzlos. Kekse, Nüsschen und Erfrischungsgetränke sind irgendwie kein echtes Essen.

23. März: Kein Trasit mehr durch Taiwan. Die Botschaft rät über China zu fliegen. Ich verstecke mich im fast menschenleeren Ankor Wat. In den letzten Tage hab ich die schlechte Angewohnheit entwickelt jede Stunde meinen Flugstatus zu checken. Von den morgendlichen stundenlangen Recherchen im Bett über die neuen Schreckensnachrichten ganz zu schweigen. Meine Bekannte hat einen Flug aus Thailand raus gefunden. 1500€. Das Kreditkartenlimit muss noch schnell geändert werde. Egal, hauptsache weg. Wäre ich doch bloß in Thailand
Im Hostel bittet man mich in einen anderen Schlafsaal umzuziehen. Wegen zu wenig Buchungen lohnt es nicht mehr in zwei Räumen die Klimaanlage an zu haben. Zwei andere Hostels des gleichen Besitzers schließen heute. Ich frage mal nach, wie viele Buchungen es noch gibt. 18 Buchungen für die folgende Nacht, das Hostel hat 76 Betten. Neue Buchungen kommen nicht mehr. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es schließen muss. Mein Abendessen war zu scharf, ich putze mir auf der Straße die Nase. Leute schauen mich an, als wäre ich der Sensenmann persönlich. Ich geh schnell zurück in die Unterkunft. Gute Nachrichten: In Deutschland ist endlich wieder Klopapier verfügbar, die Leute haben sich wohl eingedeckt.

24. März
Morgens: Der Flughafen in Siem Reap schließt ohne Vorankündigung. Online werden Flüge angezeigt die schon nicht mehr stattfinden. Die Botschaft rät dazu keine neuen Flüge mehr zu buchen. China Airways wird den Flugverkehr nach Europa wohl aussetzen. Die Gefahr irgendwo im Transit hängen zu bleiben ist zu groß. Es wird versucht Kambodscha auf die Rückholprogramm-Liste zu bekommen. Meine Flugverbindung hat die Botschaft nie erwähnt. Wissen sie etwas das ich nicht weiß? Fällt der Flug eh aus? Folgt Qatar Airways den anderen Airlines? Das Gefühl im Bauch wächst mit der Unsicherheit.

Mittags: Es wird in sozialen Medien geraten nach China zu reisen. Dort wartet Quarantäne im Hotel auf alle Einreisenden. Passagierflüge nach Europa hören wohl in wenigen Tagen auf. Es gibt jedoch Cargo-Flüge nach Europa die immer einige Passagiere mitnehmen. Zur Zeit vielleicht die beste Möglichkeit.
Wieder Flucht in die Tempel. Statt zu Erkunden genieße ich einfach die Ruhe. Mein Flug steht noch, mehr als warten und hoffen bleibt mir nicht.

Abends: Mich erreicht das Gerücht die Regierung diskutiere eine Ausgangssperre. Da Thailand bereits den Notstand ausgerufen hat wird das Gerücht wohl stimmen. Die französische Botschaft ruft alle Franzosen dazu auf in die Hauptstadt zu gehen, von der deutschen Botschaft kommt nix.

Später Abend: Zurück in der Stadt buche ich sofort einen Bus nach Phnom Penh. Da ich einen Roller vom Touribüro gegenüber gemietet habe macht der Besitzer den Laden extra für mich auf. Eigentlich hat er seit drei Tagen wegen fehlender Kundschaft geschlossen. Ein Busunternehmen das er anruft fährt nicht mehr, beim zweiten hat er Glück. Morgen fahre ich in die Hauptstadt. Die französische Botschaft hat für den 26.03. einen Flug für die Franzosen organisiert. Meine Zimmernachbarin schwankt zwischen Freude, Tränen der Erleichterung und Angst nicht schnell genug auf die Mail zu antworten. Die kambodschanischen Inseln werden von der Fähre ab morgen nicht mehr angefahren.

Und am 25. März? Keine Ahnung, wer weiß denn heute schon was morgen kommt? Ich kann es kaum glauben, dass mein Flug noch besteht, aber irgendwer muss ja den letzten Flieger erwischen. Bis zu dem Moment wird wohl das  Bauchgefühl mit mir reisen.

Klingt vermutlich alles ziemlich schrecklich und das ist es auch. Ich versuche das Beste draus zu machen und den Kopf nicht zu verlieren. Ein Blick auf die geschlossenen Geschäfte rückt meine Situation in ein neues Licht: Den Menschen hier bricht das gesamte Einkommen weg. Es gibt kein soziales Sicherungssystem, dass sich um die Menschen kümmert denen nun das Geld für Essen fehlt. Auch ist es schwer Kontakt zu vermeiden, wenn viele Menschen auf engstem Raum zusammenleben. Und Hoffnungen wie in Deutschland, die Gesundheitssysteme durch die Maßnahmen etwas zu schonen gibt es hier nicht. Dafür bräuchte man ein funktionierendes Gesundheitssystem. Ich habe immerhin noch Hoffnung auf einen Flug nach Hause, die Menschen hier müssen bleiben. Aber immerhin hat hier keiner Sorgen wegen Klopapier, Poduschen sind der asiatische Standard. Sofern man Wasser hat…