Georgien

„Als Gott die Länder verteilte und alle Völker dafür zusammen kamen, feierten die Georgier gerade mal wieder ein Fest. Sie tranken und sangen und vergaßen ihre Verabredung mit Gott. Doch der war von ihrer Fröhlichkeit und ihre Lebensfreude so gerührt, dass er ihnen das Gebiet schenkte, das er eigentlich für sich reserviert hatte. Und so kam das georgische Volk zu seinem Land.“

Drei Wochen haben wir in diesem Land verbracht, das nach georgischer Sage Gott selbst für sich reserviert hat und vielen Einheimischen sowie Besucher_innen als Paradies auf Erden erscheint. Uns wird es als Land der Kontraste im Gedächtnis bleiben! Georgien ist in etwa so groß wie Bayern, jedoch finden sich auf dieser kleinen Fläche Berge und Meer, jahrtausend alte Kultur und moderne Architektur, ein kleines Las Vegas und lebendige Traditionen. Wir konnten den einen Tag im Norden des Landes auf schneebedeckte Berge blicken und den Tag darauf in der Wüste durch eine Höhlenstadt spazieren und manchmal machte eine Stunde Fahrtweg einen Temperaturunterschied von ca. 5°C aus.

Die Ankunft in Georgien war ein kleiner Schock für uns. Nach einem Monat in der Ukraine ohne vielen Touris zu begegnen, landeten wir in Batumi, „Georgiens Las Vegas“, einer der touristischsten Städte des Landes. Seit einigen Jahren boomt der Tourismus in Georgien und die Menschen kommen aus Europa und Nordamerika genauso wie aus Russland, den arabischen Emiraten und Indien. Eine bunte Mischung kommt hier zusammen und das Land hat für jedes Bedürfnis etwas zu bieten. Da wir beide mehr Zeit mitbringen als die meisten anderen Georgienreisenden und eine Vorliebe für Merkwürdigkeiten haben, haben wir uns auch abseits der Standartroute bewegt und zwei Orte besucht, die (noch) nicht im Reiseführer stehen. Einen davon stellen wir kurz vor…

Tschiatura
Die Stadt Tschiatura war vor dem ersten Weltkrieg ein wichtiger Wirtschaftsstandort: Es war das größte Manganerzbergbauzentrum der Welt. Zu UdSSR-Zeiten wurde ein öffentliches Seilbahnnetz eingerichtet, um Material und Personen möglichst effektiv in der Stadt transportieren zu können: Über 70 Seilbahnen gab es hier zu Hochzeiten. Mit dem Zerfall der UdSSR und dem Rückgang des Manganerzes ging es jedoch bergab für die Stadt. 1992 ist die Strom-, Wasser- und Gasversorgung der Stadt zusammengebrochen. Seit 2004 gibt es wieder Strom. Die Stadt scheint verglichen mit dem Rest Georgiens aus einer anderen Welt zu kommen. Uns führten die verbliebenen Seilbahnen in die Stadt (eine der steilsten Seilbahnen der Welt und eine der ältesten, Baujahr 1954). In Tschiatura sind Touris eine Seltenheit und so wurden wir beim Frühstück im Stadtpark von zwei jungen Männern angequatscht, die uns direkt auf einen Ausflug mitgenommen haben. Nachdem wir die Sehenswürdigkeiten der Gegend (eine steile Felssäule mit Kloster und ein schöner Fluss) abgeklappert hatten, sind wir beim 65-jährigen Roman gelandet. Roman hat eine kleine Fischzucht, eine alte mit Wasser betriebene Mühle und einen Gemüsegarten. Außerdem macht Roman selbst Wein und Cognac. Ihr ahnt wie es weiter geht… Bei Salat und Radieschen aus dem Garten wurde intensiv auf Georgien, die Freundschaft und das Leben getrunken. Irgendwann kamen noch Romans Enkelkinder dazu, die sich vermutlich sehr über die deutschen Besucherinnen ihres Opas gewundert haben – in Romans Garten verirren sich nicht oft Besucher_innen. Der Besuch bei Roman endete mit einem ausgiebigen Nickerchen im Hotel (die georgische Gastfreundschaft und die damit verbundenen zahlreichen Trinktraditionen sind nichts für uns).
Mit der steilen Seilbahn sind wir trotzdem noch gefahren (Martina unter Todesangst, Svenja mit kindlicher Begeisterung), doch in (bruchstückhafter) Erinnerung bleibt uns wieder einmal die Begegnung mit den Menschen!

 

Die Katskhi-Säule

Roman zeigt uns das Fischbecken

Alle an einem Tisch

Wartehalle an der Seilbahn

Ganz schön weit oben..!

Trotz dieser Begegnung und der vielen Facetten, die wir von Georgien kennen lernen durften, sind  wir uns einig, dass Georgien nicht unser Land ist. Ja, das Essen ist lecker (und vegetarisch gut möglich). Die Landschaften sind atemberaubend. Die Kontraste sind außergewöhnlich. Die Höhlenstädte sind beeindruckend. Die politische Lage ist spannend (wir waren während der Proteste und abgesagten Gay Pride in Tiflis). Das Reisen ist sehr einfach. Aber irgendwie war es nicht unseres. Trotzdem lohnt sich eine Reise in dieses kleine Land definitiv, egal ob ihr Natur, Kultur, Party oder einfach Unmengen Käsegerichte sucht. 🙂

Wir durften bei diesem netten Bäcker unsere Brotback-Künste testen. 🙂

Springbrunnen in Kutaisi

Verlassenes Kurhotel in Tskaltubo

Panorama bei Mestia

Georgien biete viele Käsegerichte. Hier: Kartoffelpüree mit Käse!

Höhlenstadt Uplistsikhe

Moderne Architektur in Tbilisi

Wir besuchten das Tbilisi Open Air Festival

Burg Ananuri

Bei Kazbegi

Gestreifte Berge bei David Gareji

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